Abteilung für aesthetisch-operative Medizin

RUB - Ruhr Universität Bochum
Sommerinterview

Sommerinterview mit Dr. Klaus Hoffmann

Interviewer:

Herr Dr. Hoffmann, Sie sind seit Ihrer Ausbildung nun seit 25 Jahren in der Bochumer Uniklinik tätig. Warum sind Sie nach Ihrer Ausbildung Dermatologe geworden?

Dr. Hoffmann:

Ich bin nunmehr seit mehr als zwei Jahrzehnten, gezählt an Betten, an der weltweit größten dermatologischen Klinik der Welt tätig. Alleine die Größe, die Ausstattung, als auch das, was man mir in Bochum geboten hat, war so gut, das man nicht „Nein“ sagen konnte. Die Klinik hat sich im Lauf der Zeit, während der ich dort tätig bin, so gut entwickelt, so dass ich meinen Entschluss zu keinem Zeitpunkt bereut habe. Bereits mit Abschluss meiner Facharztausbildung konnte ich den operativen Bereich übernehmen und bin nunmehr seit zwei Jahrzehnten in diesem Bereich tätig. In diesem Zeitraum hat sich die Anzahl der Patienten, die an Hautkrebs in der Klinik behandelt und operiert werden, vervielfacht. Mittlerweile sind wir in vier Operationssälen tätig. Im gleichen Zeitraum haben wir dann auch das Laserzentrum des Landes Nordrhein-Westfalen eingerichtet. Mittlerweile dürfte es wohl kaum eine andere Klinik in Europa geben, die so viele Laser (über 20)  hat, wie die Bochumer Hautklinik. Daher ist es ein idealer Arbeitsplatz, wenn man einmal davon absieht, dass man im öffentlichen Dienst deutlich weniger verdient, als in der freien Praxis. Erwartet wird dafür aber eine 60h Woche und der Besuch von Kongressen an praktisch jedem Wochenende.

Interviewer:

Was sind Ihre derzeitigen Haupttätigkeiten?

Dr. Hoffmann

Derzeit bin ich im Wesentlichen im Bereich der ästhetischen Medizin tätig und operiere. Des Weiteren bin ich für das Laserzentrum verantwortlich und versuche mit der COSMEDICA - die alle zwei jahre stattfindet - auch den wissenschaftlichen Bereich hoch zu halten. 

Interviewer:

Herr Dr. Hoffmann, Sie reisen sehr viel. In diesem Jahr waren Sie bereits jetzt bei 10 internationalen Kongressen auf verschiedenen Kontinenten. Was gibt es denn neues im Bereich der Ästhetik?

Dr. Hoffmann

Diese Frage könnte man auf mehreren Seiten und über eine halbe Stunde beantworten, so dass ich mich nun auf das Wesentliche beschränken muss.

Neu ist zum Beispiel ein Laser, mit dem man zum ersten Mal, sowohl farbige Tattoos, als auch tief sitzende, dunkle Tattoos entfernen kann. Der Laser arbeitet mit extrem kurzen Lichtblitzen, die nur eine Pico-Sekunde lang sind. Er ist vor einigen Wochen in den Vereinigten Staaten erstmalig vorgestellt worden. Dort hat er die entsprechenden Prüfungen durchlaufen, die europäischen Zulassungen hat er mittlerweile auch. Der Laser zeichnet sich dadurch aus, das er Tattoos und Pigmentierungen aus der Haut entfernen kann und dies so schonend,  wie wir es vor einiger Zeit nicht für möglich gehalten haben. Der Trick an der Sache ist, das mit einem Laser das Pigment, das in der Haut liegt, zum Beispiel bei einem Tattoo entfernt wird indem die Farbmassen quasi zur Explosion gebracht werden. Wenn man sich einen Farbklecks in der Haut vorstellt, wird die Energie mittels Licht in diesem Farbklecks aktiv. Dadurch explodieren die kleinen Farbpigmente und werden in kleinste Teile zersprengt. Diese kleinen Teile nun wieder, können durch den Körper, speziell durch die Fresszellen, abgeräumt werden. Wenn man nun diese Explosion mit einem extrem kurzen Lichtimpuls stattfinden lässt, gibt es keine oder nur sehr wenige Kollateralschäden, d.h., das umliegende Gewebe wird nicht aufgeheizt oder verbrannt. Dies kann man sich als Laie relativ einfach vorstellen, wenn man den Finger nur feucht macht und nur sehr kurz an ein Bügeleisen hält, passiert nichts, hält man ihn lange darauf, gibt es eine Brandblase. Gleiches passiert, wenn man mit einem Laserlicht extrem kurz schießt, in diesem Fall mit einer Pico-Sekunde,. Die besten Laser, die wir bislang zur Verfügung hatten, haben mindestens 5-8  mal längere Lichtimpulse gehabt (z.B. RevLite). Standardlaser, so wie sie derzeit in den Praxen oder in Billigstudios stehen, haben bis zu 1000 bis 10.000  mal längere Lichtpulse und erzeugen demnach viel schlimmere und stärkere Kollateralschäden, die zum Teil so schwer sind, das die Tattoos nur mit Narben entfernt werden können. Den neuen Picosure Laser halte ich für eine der einschlägigsten Neuerungen, von der wir demnächst sehr viel hören werden. 

Die klassischen Geweihe über dem Steißbein, im Volksmund auch „Arschgeweihe“ genannt, werden damit ebenso entfernbar sein, wie Fehlpigmentierungen nach kosmetischen oder ähnlichen Behandlungen, oder auch anderen Fehlpigmentierungen, die man nicht gewünscht hat.

Zum ersten Mal haben wir auch eine Chance Fehlpigmentierungen zu behandeln, wie wir sie bei Hormonbehandlungen oder Ähnlichem erleben. Das alles ist tatsächlich etwas Neues. Erste Bilder und Filme findet man im Internet ( Picosure-Laser/Cynosure). Dies alles  auch nur als ein Ausschnitt aus der Lasertherapie. Es gibt viel neues, aber dies ist hier nicht alles zu nennen.

Interviewer:

Herr Dr. Hoffmann, die Badesaison steht bevor. Was gibt es denn neues, um den Körper für die Badesaison schön vorzubereiten?

Dr. Hoffmann

Nun hier gibt es auch einiges neues. Lassen Sie mich hier das Fett als Therapieziel herausnehmen und vielleicht Haare, die im Sommer ja auch ebenfalls, dann wenn gerade unsere Damen kürzere Kleidung oder knappere Kleidungsstücke am Strand tragen, stören.

Neu ist ein Enthaarungslaser, mit dem man Beine, oder größere Areale innerhalb von ein bis zwei Minuten enthaaren kann, wobei eine Enthaarung niemals in einer einzigen Sitzung stattfindet. Diese neuen Geräte, es handelt sich hierbei um Dioden Laser mit extrem großen Köpfen, sind fast völlig schmerzlos, haben ein deutlich geringeres Risiko von Fehlpigmentierungen und sind  sehr viel schneller, als früher. Für Männer ist es erstmalig möglich mit geringen Beschwerden und schnell, zum Beispiel einen Rücken zu enthaaren. Derartige Geräte sind überhaupt nicht mit den Billigmaschinen,die in Fußgängerzonen stehen, vergleichbar und kosten auch um die 100.000 Euro (Vectus/Palomar). Diejenigen, die schon mal eine Enthaarung über sich ergehen lassen haben, insbesondere in größeren Arealen, werden aber sofort verstehen, wie schön es ist, wenn man für einen ganzen Rücken oder ein ganzes Bein nur ein oder zwei Minuten benötigt und dabei keine schlimmen Schmerzen mehr hat. Das ist in der Tat etwas neues. 

Interviewer:

Und was gibt es neues für die Figur?

Dr. Hoffmann

Für die Figur gibt es etwas sehr interessantes neues im Bereich der Fettbeseitigung. Hatten wir früher im Wesentlichen die Fettabsaugung, kam dann vor ca. 2-3 Jahren der Lipolaser hinzu (Cellulaze/Cynosure). Der Lipolaser arbeitet mit einer Glasfaser, bei der Hitze in die Tiefe des Gewebes eingebracht wird und damit kleinste Fettportionen, die wir mit der Absaugung nicht erreichen konnten, zerstört werden. Gleichsam wird durch das Einbringen von Hitze, das Gewebe gestrafft. Damit kann man die Cellulite angehen und in vielen Fällen auch Bauchdeckenplastiken oder ähnliches vermeiden. Gerade die Lipolaser waren ein echter Schritt vorwärts in der Fettbeseitigung und machten Dinge und Ergebnisse möglich, die wir vor 10 Jahren nur erträumen konnten.

Neu in diesem Bereich sind aber im Wesentlichen die Kältemethoden. Von diesen kommen derzeit verschiedene Geräte in den Markt. Nur ein Gerät hat aber eine Zulassung der amerikanischen Zulassungsbehörden (FDA), die als einzige weltweit sowohl Sicherheit, als auch Funktionsweise und  tatsächliche Wirkung von Geräten überprüfen. Viele Menschen wissen nicht, dass die CE-Kennzeichnung nicht vorsieht, dass wissenschaftliche Studien, ähnlich wie bei Medikamenten, notwendig sind. Die Amerikaner sind da anders, bei diesen sind entsprechende Studien notwendig. Insofern ist eine derartige Auszeichnung auch für den Laien nicht ganz unwichtig (FDA-Kennzeichnung).

Neu zum Beseitigen von Fett ist hier das  Einfrieren des Fettes, das so genannte Coolsculpting (Zeltiq). Hierbei handelt es sich um eine Technik, die von der Harvard Medical School gemeinsam mit dem Massachusetts Instiute of Technology, beide  in Boston entwickelt wurden.  Die Idee dabei ist, dass man  Fett durch Kälte zerstören kann. Beobachtet haben die Amerikaner, das bei Kindern, zu lange an Eis gelutscht haben, dass es tatsächlich so war und wissenschaftlich publiziert wurde und am Fettgewebe, in einem Einwirkbereich der Kälte aufgetreten sind. Hieraus haben sie geschlossen, dass man mittels Kälte, Fett schädigen kann. Es haben dann viele Jahre Studien stattgefunden und im Resultat gab es dann ein Gerät der Firma Zeltiq mit dem Namen „Coolsculpting“. Dieses Gerät entzieht Gewebe, das zuvor mittels eines Unterdrucks mit einem speziellen Behandlungskopf eingesaugt wurde, einfach die Wärme. Dieser Wärmeverlust, der bis nahe dem Gefrierpunkt erfolgt, sorgt dafür, dass die Fettzellen Kälte geschädigt werden. Mutter Natur hat die Hautzellen so geschaffen, dass diese widerstandsfähig gegen die Kälte sind. Der Muskel ist so gut durchblutet, dass er sich ebenfalls gegen die Kälte wehren kann. Die Fettzellen haben keine gute Abwehrmöglichkeit und werden zumindest in großen Teilen irreversibel durch die Kälte zerstört. Setzt man den Behandlungskopf  des entsprechenden Gerätes auf den zu behandelnden Bereich auf, verbleibt er dort für eine Stunde und die Fettzellen werden durch die Kälte schwer geschädigt. Es ist allerdings so, dass die Schädigung nicht so schwer ist, dass alle Zellen sofort kaputt sind. Dies würde ja möglicherweise zu Dellen/Wellen oder ähnlichem führen.

Es ist so, dass der so genannte programmierte Zelltod (Apoptose) durch dieses Einfrieren ausgelöst wird. Wer sich mehr dafür interessiert, findet hier wunderbare Erklärungen zum Beispiel bei Wikipedia. Letztlich ist es so, das der Körper in seinen Genen ein Programm enthält, das erkennt, ob eine Zelle schwer geschädigt ist oder nicht.

Ist diese schwer geschädigt, baut der Körper diese quasi selbstständig ab. Wie gesagt, man spricht von einem programmierten Zelltod oder auch Apoptose.

In der Folge sterben dann die eingefrorenen Zellen ab. Dies nicht sofort, sondern es dauert einige Wochen bis man die ersten Erfolge sieht und nach einigen Monaten sieht man dann den entsprechenden vollen Erfolg. Gerade in den Studien, in dem zum Teil nur  eine Flanke, nach dem Volksmund auch Schwimmring oder Love Handles genannt, behandelt wurde, sind extrem eindrucksvoll. Behandelt werden die, die sich keine Ausfallzeiten leisten können und bei denen keine großen Fettmengen entfernt werden müssen. Klassische Areale sind unter oder oberhalb des Bauchnabels, in den Flanken und  an den Armen. Das Schöne dabei ist, das neben kleinen blauen Flecken die entstehen können und einer gewissen Gefühlsschwäche, wie bei einem eingeschlafenen Fuß, keine weiteren größeren nennenswerten Nebenwirkungen bekannt geworden sind. Der Nachteil ist, dass die Behandlungen relativ teuer sind und auch bei weitem nicht gleich viel Fett zerstören können, wie es bei einer Fettabsaugung möglich wäre.

Interviewer:

Herr Dr. Hoffmann, was sind ihre nächsten wichtigen wissenschaftlichen Aktivitäten?

Dr. Hoffmann:

Zunächst mal ist mein Reiseprogramm für dieses Jahr noch ganz erheblich. Ich muss sowohl in Übersee, als auch hier noch in Europa einige Vorträge halten. Viel wichtiger ist aber, dass wir derzeit unsere COSMEDICA organisieren, die in der ersten Woche im November stattfinden wird. Auch hier werden wir wieder einige hundert Ärzte bei uns in Bochum im Kongresszentrum begrüßen dürfen. Das Besondere an unserem Kongress ist, das wir hier einige ausgewählte Patienten, die sich freundlicherweise zur Verfügung stellen, kostenfrei operieren werden. Alle Operationen werden über Fernsehkameras, die in den Operationssälen der Universitätsklinik aufgestellt sind, Bilder direkt in das Kongresszentrum übermittelt, wo dann die entsprechenden Experten mit dem Operateur über die Operation sprechen können. Hierbei handelt es sich um eine einmalige Möglichkeit, besonders intensiv zu lernen. Operieren werden hier nur die Besten der Besten, so dass die Patienten besonders gut aufgehoben sind, da sie ja unter den Augen von einigen anderen Experten operiert werden. Der Vorteil des Patienten ist, das die Behandlung für ihn kostenfrei stattfinden.